SAM -Sanft, authentisch, mitfühlendNe
 

Über mich

Ich bin Charlyn Neven, geboren am 10.06.1995 in Hamburg. Ich helfe Menschen, mit belastenden Situationen zurechtzukommen und Pferden, die missverstanden werden. Dabei sind Authentizität, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit Grundbausteine meiner Arbeit, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen und Sicherheit für Betroffene herzustellen. Gemeinsam bilden diese Werte die Brücke zur Verarbeitung von belastenden Erfahrungen.

Ebenso im Umgang mit dem Pferd sind die obengenannten Grundbausteine unerlässlich. Pferde merken, wenn wir ihnen etwas vormachen oder wenn wir nicht ehrlich mit uns selbst sind. Außerdem ist es für das Fluchttier Pferd essentiell, sich auf seinen Menschen verlassen zu können, um in unnatürlichen Situationen Ruhe zu bewahren.

Warum tue ich, was ich tue? Mein Traum wäre, dass kein Mensch sich belastenden Erfahrungen alleine stellen muss und neue Wege kennenlernen darf, bevor sich Betroffene in einer Gewaltspirale oder Ohnmacht wiederfinden.  Für unsere tierischen Begleiter wünsche ich mir mehr Verständnis unsererseits und Zeit sich mit neuen Situationen vertraut zu machen.

Meine Geschichte: 

Ich bin mit Pferden aufgewachsen und saß das erste Mal als Säugling mit meiner Mutter auf dem Rücken dieser wunderbaren Geschöpfe. Meine Mutter war alleinerziehend und es war nicht immer leicht. Pferde geben, mir seit dem ich denken kann halt und Geborgenheit. Familiär habe ich schon immer viele Berührungspunkte zu unterschiedlichen Bereichen in der Pferdewelt, meine Tante züchtet Quarterhorse, meine Cousine reitet Turniere und meine Mutter betreibt ihren eigenen Pferdestall. Es ging für mich nie darum, ob ich ein Leben in der Pferdewelt führe. Ich habe nur etwas gebraucht, meinen Platz in dieser Welt zu finden. Als Kind war es normal, das Pferd hat zu funktionieren und wenn es das nicht tut, setzte dich durch! Heute weiß ich, dass in dieser Aussage tatsächlich Wahrheit steckt, jedoch sollte man sich nicht gegenüber dem Pferd durchsetzen, sondern gegenüber den Menschen, die einem solchen Mist predigen.

Pferde waren immer an meiner Seite und waren für mich da, wenn Menschen es nicht waren. Ich bin tatsächlich seit 2022 das erste Mal ohne eigenes Pferd, was auch den Grund für meine Selbständigkeit bietet, aber dazu später mehr.

Nach einer sehr turbulenten Schulzeit bin ich mit einem Hauptschulabschluss und einer sehr großen Klappe in meine erste Lehre gestartet. Ich bin heute gelernte Verkäuferin und trage diesen Titel mein Leben lang mit stolz. In dieser Ausbildung bin ich mit dermaßen viel Herabwürdigung, Beleidigung und Scham konfrontiert gewesen, dass ich an dieser Stelle, all meinen Kollegen_innen ein großes Kompliment ausspreche. Ich habe schnell gemerkt, dass ich etwas anderes möchte. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass ich eventuell auf manche Erwachsene mehr hätte hören sollen, die mir mit Engelszungen versuchten beizubringen, warum ich weiter zur Schule gehen solle. Nun denn, ich habe mich für den Umweg entschieden und würde es heute wieder tun. Damals hat eine Bewerbung an die Fachhochschule meinen heutigen Weg geebnet. Ich darf mich heute zusätzlich staatlich geprüfte sozialpädagogische Assistentin nennen, bin gelernte staatlich anerkannte Erzieherin (Schwerpunkt Suchtprävention und Sexualpädagogik), bin Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin (Schwerpunkt Dissoziation) und Anti-Gewalt-Trainerin. Mittlerweile verfüge ich über mehrjährige Berufserfahrung in Inobhutnahme, Kinder- und Jugendwohngruppen inkl. der Elternarbeit. Seit 2021 arbeite ich in der ambulanten Familienhilfe mit den Schwerpunkten möglicher Kindeswohlgefährdung, Trauma und psychischen Erkrankungen innerhalb der Familiensysteme.

Um mehr Qualifikationen im Bereich der Pferde zu erlangen als in diese Welt geboren zu sein, bin ich zertifizierte Bodenarbeitstrainerin, zertifizierte Beziehungstrainerin (nach Cura Equus anerkannt durch den Berufsverband integrales Reiten) und besuche zurzeit die Intro-Kurse von meinem geschätzten Kollegen Bernd Schwarzfeld (Tierverhaltenstherapeut und tiergestützter Coach). 

Jetzt könnte man den Eindruck gewinnen, eine Rebellin schreitet auf ihrem einfachen Weg zur Selbstständigkeit. Schön wäre es gewesen, leider war dem nicht so. Auch mein Leben bringt Höhen und Tiefen mit sich und es gab Zeiten, in denen ich verzweifelt war und den Weg garantiert nicht so klar vor mir sah. Zeiten, in denen ich den Pferden abschwören und mich nur noch verkriechen wollte.

Im Folgenden werde ich auf eine dieser schweren Zeiten eingehen, mittlerweile blicke ich mit einem Lächeln zurück auf die schönen Erinnerungen dieser prägenden Zeit.

Nach einer langen Kontaktpause ging ich mit meinem Papa auf die Gastronomiemesse "Internorga" 2014. Er erzählte mir, dass er ein zwei Euro großen Knubbel im Hals habe, die Ärzte vermuten, es sei Krebs. Ich habe ihn angelächelt und gesagt, dass Unkraut nicht vergehe.

Ein halbes Jahr nach der Diagnose wurde uns gesagt, dass der bereits entfernte Tumor, wiederzusehen sei. Kurz darauf war klar, dass der Krebs unheilbar ist, er hat bereits gestreut. Die Ärzte gaben meinem Vater noch ein Jahr. 

2015 ein Jahr wie kein anderes. Nachdem meine Stute Ginger, die ich schon lange nicht mehr ritt, auch während der Bodenarbeit geschafft hatte, mich ins Krankenhaus zu befördern, war die Angst manifestiert. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich gefallen bin, aber der Moment, mit Halskrause auf einer Luftmatratze im Krankenhaus zu liegen, obwohl ich nicht geritten bin, erinnere ich noch sehr gut. Damals hatten die Ärzte den Verdacht, dass ich mir meine Halswirbelsäule gebrochen habe. Ich konnte nicht ausfallen, wer begleitet meinen Papa zur Chemotherapie? Wer holt ihm seine Medikamente? Er hatte doch nur noch mich. Zum Glück bestätigte sich der Verdacht nicht. Prellungen der HWS, Stauchungen der Bandscheiben und eine Bandscheibe, die nachgegeben hat, waren genug. Ein paar Schürfwunden und blaue Flecke kamen hinzu. Hauptsache ich durfte Autofahren und konnte mich um Papa kümmern. 

Zum Glück habe ich damals einmal auf die Erwachsenen gehört (auch wenn ich mittlerweile auch volljährig war) und habe ein neues Zuhause für Ginger gesucht. Unsere Beziehung war durch die negativen Erfahrungen, zum damaligen Zeitpunkt, irreparabel. In ihrem neuen Zuhause konnte Ginger noch ein paar schöne Jahre verbringen und von ihrer neuen Besitzerin sogar geritten werden. Heute weiß ich, was ich damals anders hätte machen müssen. Jahrelanges Vertrauen in gewaltbereite Trainer oder leistungsorientierte Ratgeber haben mich leider erst zu spät einen neuen Weg einschlagen lassen.

Nun saß ich mit meinen 20 Jahren ängstlich und missverstanden in einer selbst geschaffen Situationen, die mich wirklich sehr leiden ließ. Mein Lösungsansatz damals: die Vermeidung! Ich wusste damals bereits, dass es nicht Gingers Fehler sein konnte, machte mich selbst runter und war überzeugt, meine Zeit in der Pferdewelt war vergangen. 

Zum Glück war ich damals nicht alleine und meine Stallmädels haben mir zu meiner Rückkehr in die Pferdewelt verholfen, bevor sie gänzlich endete. Auch wenn die Taktik mir gefühlte 100 Pferdeannoncen täglich zu senden sehr fordernd war. Es dauerte nur sechs oder sieben Besichtigungstermine für Pferde, bis ich auf Sam traf.

Sam war ein Reitpony-mix ca. 11 Jahre alt, 1,42m groß. Die Altersangabe und Rasse wurden geschätzt, da er keinen Pass besaß. Er wurde im Reitbetrieb eingesetzt und wurde zum Verkauf angeboten, da er kein Gewichtsträger sei. Man sah Sam an, dass sein Rücken Probleme machen könnte und das Futter auf dem Pilze wuchsen waren ebenso nicht unbedingt ein Kaufargument. Sam wurde mir von einem Kind vorgeritten, sowie von einer angstfreien erfahrenen Reiterin meines Vertrauens. Ich konnte sehen, dass Sam ein braves Pferd war und hatte dennoch große Angst vor meinem ersten Ritt auf ihm. Sam hatte die Angewohnheit, stehenzubleiben, wenn nicht ausdauernd getrieben wurde. An dieser Stelle darf man mich für verrückt erklären, aber dieses Verhalten, sich auf dem Pferd abmühen zu müssen, um einen Schritt zu erhalten, gab mir Sicherheit. Später riefen mir die Leute zu, dass ich eine Mark nachschmeißen müsse. Als Meine Mutter mit der Aussage: "Wenn er dieses Futter überlebt, überlebt er alles andere auch" ihren Segen gab, war ich stolze Besitzerin eines abgemagerten, nicht bemuskelten und verhaltensgestörten Pony. Sam gab mir die Sicherheit beim Reiten und ich konnte ihm Sicherheit am Boden geben. Das erste halbe Jahr ritten wir nur ein paar Schritte, ich verlor das Bewusstsein und wurde wieder wach, währenddessen Sam ein paar Grashalme naschte. Ich bin nie gefallen, wenn ich das Bewusstsein auf Sam verloren habe.

Mein Papa verstarb am 08.12.2015 und die Beerdigung war am 22.12.2015. Ich bin dankbar, dass ich Sam an meiner Seite hatte in dieser schweren Zeit. Zum Glück war das Jahr 2015 vergangen.

Insgesamt dauerte es fünf Jahre bis Sam wieder ein lebendiges und lebensfrohes Pony sein und ich wieder Angstfrei auf Sam sitzen konnte. Sam hat auf mich aufgepasst, sowie ich auf ihn. Wie ich zu einer solchen Aussage komme? Sam hat sich zwischen mich und andere Pferde gedrängt, wenn diese mich bedrohten. Andere Menschen hat er im Sattel versucht loszuwerden oder hat deutlich signalisiert nicht bei jedem mitzugehen. Beim Tierarzt konnte er sich erst entspannen, wenn ich eingetroffen ist. Er stand schon am Tor der Koppel, wenn er meine Stimme gehört hat. Wie ist das möglich, heute kenne ich die Antwort: Beziehung!

Leider ist Sam am 27.04.2022 über die Regenbogenbrücke galoppiert und wurde nur ca. 18 Jahre alt. Es war der Rücken! Spondylose, Arthrose und Osteolose führten zu einer Verengung der Nervenkanäle und Sam begann Anfänge einer Lähmungen zu entwickeln. Es war Zeit für mein kleines Wunderpony voraus zu gehen. Ich hoffe wir sehen uns wieder, wenn meine Zeit gekommen ist.

Als ich pferdelos war, übernahm ich die stellvertretende Leitung im Stall meiner Mutter, um den Kontakt zum Stall und den Pferden nicht zu verlieren. Mir war klar, dass nicht direkt ein neues Pferd einziehen kann.

Mitglieder unserer Gemeinschaft ermutigten mich, mein Wissen an Dritte weiterzugeben. Pferdegestützte Angebote für meine Angstklienten aus meinem Hauptjob, biete ich bereits seit Jahren an. Ich habe fortan im eigenen Stall angefangen, Menschen und Pferden weiterzuhelfen, mich weiterzubilden und entstanden ist:

SAM - Sanft, authentisch, mitfühlend

by Charlyn Neven